Die Geschichte

Warmbad – wo das Wasser wärmt, seit Jahrhunderten

Im Tal des Hilmersdorfer Baches, eingebettet zwischen den bewaldeten Hängen des Mittleren Erzgebirges, liegt Warmbad – heute ein Ortsteil der Bergstadt Wolkenstein. Die Geschichte des Ortes beginnt dort, wo sie im Erzgebirge meistens beginnt: unter der Erde. Bergmänner auf der Suche nach Silbererz stießen im 14. Jahrhundert auf etwas Unerwartetes: warmes Wasser, das aus dem Fels quillt, klar, geruchlos und von auffallend heilsamer Wirkung.

Diese Quelle – die älteste und wärmste Thermalquelle Sachsens – ist das Herzstück von Warmbad. Urkundlich erwähnt wurde der Ort erstmals am 9. Mai 1484, wo geschrieben steht: „warmbate zu wulkenstein". Doch die Menschen kannten das warme Wasser da schon lange. In unmittelbarer Nachbarschaft befand sich das Berggebäude „Palmbaum", das zu den bedeutendsten Silbergruben des Wolkenstein-Marienberger Bergreviers gehörte. Die Quelle und der Bergbau – beide haben den Ort geformt, und beide spielen auch in der Geschichte des Hauses, in dem Sie heute wohnen, eine entscheidende Rolle.

1484
1571
1661
1671
1791
1905

Erste urkundliche Erwähnung als „Warmbate zu Wulkenstein".

Kurfürst August beauftragt Bergmeister Martin Planer mit der Verbesserung der Quelle.
Planer lässt einen Abflussstollen bauen und leitet kühles Oberflächenwasser ab – die Quelltemperatur steigt spürbar an.

Kurfürst Johann Georg II. verbietet das Schürfen und Bergbauen im Umkreis von 150 Lachtern (ca. 300 m) um die Quelle – früher Quellenschutz per kurfürstlichem Dekret

Kurfürstin Magdalena Sybilla von Sachsen wählt Warmbad für ihre Kur. Eigens für sie wird ein neues Badehaus errichtet und durch Kurfürst Johann Georg III. eingeweiht.

Königin Marie Amalie Augusta von Sachsen weilt zur Kur in Warmbad. Zu ihren Ehren entsteht ein neuer Pavillon über der Quelle.

König Friedrich August von Sachsen übernachtet persönlich in Warmbad – der Kurort hat zu diesem Zeitpunkt längst den Rang eines sächsischen Fürstenbades.

Die Geschichte

Als die Quelle erfrierte – und das Pawlow-Haus entstand

Die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts brachten Warmbad in Bedrängnis. Im Zweiten Weltkrieg diente der Kurort zuerst als Reservelazarett der Wehrmacht, dann als Mütter- und Kindererholungsheim, dann als Flüchtlingslager, schließlich als Truppenunterkunft der Roten Armee. Diese Periode endete mit einer Belegung von Herbst 1946 bis zum Sommer 1947 durch Umsiedler.

Und dann: Uran. Was im Erzgebirge schon vor 1945 vermutet worden war, wurde nach Kriegsende zur sowjetischen Priorität. 1947 begann der Uranerzbergbau im ehemaligen Bergbaurevier Marienberg. Diese intensiven bergbaulichen Tätigkeiten in den nahe gelegenen Revieren „Palmbaum", „Himmelreich" und „Lauta" der damaligen SAG Wismut wirkten sich nachhaltig negativ auf die Thermalheilquelle aus. Ein Temperatursturz bis auf 7,2 °C war die Folge. Die älteste Thermalquelle Sachsens war praktisch erfroren.

Und dennoch – oder gerade deswegen – begann die Wismut in Warmbad zu bauen. Am 1. September 1949 übernahm die SV Wismut die Thermalheilquelle und die Kureinrichtungen und veranlasste den Ausbau zum Bergarbeitersanatorium. Der Ort, den der Uranbergbau geschädigt hatte, wurde nun zum Erholungsort für jene, die den Uranium förderten.

Es war die Logik der Zeit: Der Bergbau zerstörte die Quelle – und nutzte sie gleichzeitig, um seine erschöpften Arbeiter zu kurieren.

1952 bis 1956 führten umfangreiche bergbautechnische Sanierungsmaßnahmen durch die SDAG Wismut zur allmählichen Erholung der Thermalquelle und einem damit verbundenen Temperaturanstieg. Die Quelle lebte wieder. Und mitten in diesem Wiederaufbau entstand ein Gebäude, das Warmbad bis heute prägt – das Haus, in dem Sie sich jetzt befinden.

Die Geschichte

Das Pawlow-Haus – Sanatorium der Bergleute

Das Gebäude wurde 1951 bis 1953 unter der Bauherrenschaft der Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft als Bergarbeitersanatorium errichtet und prägt bis heute, durch seine örtliche Lage und markante sowie dominante Kubatur, das Bild am Kurpark in Warmbad.

Die Architektur ist das Gesetz dieser Jahre: repräsentativ, selbstbewusst, auf Dauer gebaut. Das Gebäude ist sehr markant mit knapp 6.400 Quadratmetern Gebäudefläche, etwa 10.000 Quadratmetern Gelände und 104 Zimmern. Im Innern gab es ein Café mit Außenterrasse, ein repräsentatives Foyer mit einem großen Wandrelief aus Marmorplatten – und einen Kultursaal im Hof, der bei Veranstaltungen, wie Musik durch das Orchester IG Wismut, aber auch Kino, bis zu 400 Zuschauern Platz bot.

Der Name des Hauses ist keine Erfindung – er trägt den Nachhall eines der bedeutendsten Kämpfe des Zweiten Weltkriegs. Das Pawlow-Haus in Stalingrad ist ein während der Schlacht um Stalingrad hart umkämpftes Wohnhaus. Es wurde nach dem Feldwebel Jakow Fedotowitsch Pawlow benannt, der den Zug Soldaten befehligte, welcher das Gebäude zuerst eroberte und zwei Monate lang gegen die Angreifer der deutschen 6. Armee verteidigte. Zwei Monate lang hielt eine Handvoll Männer dieses Haus. Das Pawlow-Haus wurde zu einem Symbol für den zähen Widerstand der sowjetischen Verteidiger in der Schlacht von Stalingrad – und auf Paulus' persönlicher Karte soll es als „Festung" verzeichnet gewesen sein.

In der frühen DDR war dieses Symbol allgegenwärtig. Als die SDAG Wismut ihr neues Sanatorium am Kurpark taufte, wählte sie einen Namen, der jedem Berglehrling bekannt war. Das Haus in Warmbad sollte nicht nur Erholung bieten – es sollte an Standhaftigkeit erinnern.

Als ein aus dem Haus zurückkehrender Sanitäter gefragt wurde, woher er käme, antwortete er schlicht: ›Vom Pawlow-Haus.‹ Der Name setzte sich durch – und überlebte den Krieg.

Die Geschichte

Jahrzehnte des Schweigens – und eine Entscheidung

Mit der Wende 1989 endete der Kurbetrieb der Wismut abrupt. Das Pawlow-Haus, das jahrzehntelang ein Ort der Erholung, der Gemeinschaft und des Kulturlebens gewesen war, verstummte. Was folgte, war das Schicksal vieler solcher Gebäude im Erzgebirge: Leerstand, Zerfall, wechselnde Besitzer mit guten Absichten und scheiternden Plänen.

Knapp 20 Jahre stand das Gebäude leer. Sturmschäden rissen das Glasdach des Wintergartens auf, Feuchtigkeit fraß sich durch die Substanz. Die Türgriffe verschwanden – wer auch immer sie mitnahm, hielt ein Stück Geschichte in den Händen. Der Kultursaal im Hof konnte nicht mehr gerettet werden: Anfang 2021 wurde er abgerissen, da die Bausubstanz keine anderen Möglichkeiten zuließ.

Wer den Verfall des Pawlow-Hauses miterlebt hat, konnte kaum glauben, dass daraus noch einmal ein Hotel werden würde. Das ehemalige Wismut-Sanatorium war zum Sinnbild einer gescheiterten Nachnutzung geworden. Doch 2020 fand das Haus einen neuen Eigentümer – einen welcher trotz aller Widrigkeiten nie ans Aufgeben dachte. 

1989
2020
2021
2026

Wende. Ende des Wismut-Kurbetriebs. Das Pawlow-Haus schließt seine Türen.

Neuer Eigentümer und konkrete Zukunftspläne: das Haus soll Hotel werden.

Beginn der Sanierung. Der Kultursaal im Hof muss abgerissen werden – die Bausubstanz lässt keine Alternative. Dafür bleibt das Marmorrelief im Foyer erhalten.

Eröffnung als Pawlow Hotel. 72 Zimmer, 129 Betten, ein saniertes Haus mit Gedächtnis.

Die Geschichte

Das Marmorrelief im Foyer – eines der markantesten Originalelemente – ist geblieben. Die 45 Dachgauben, eine Forderung des Denkmalschutzes, sind geblieben. Der lang gezogene Balkon an der Südseite ist geblieben. Verschwundene Beschläge, ein gerettetes Relief und Gäste, die sich an frühere Aufenthalte erinnern: mit dem neuen Pawlow Hotel wird auch die Geschichte des einstigen Wismut-Sanatoriums wieder sichtbar.

Warmbad selbst hat inzwischen seinen Platz wieder gefunden: 1997 wurde Warmbad als erster neu prädikatisierter Kurort in Sachsen ausgezeichnet. 2016 verlieh der Freistaat Sachsen dem Ort den Status eines Staatlich anerkannten Heilbades. Die Thermalquelle, die der Uranbergbau einst auf 7,2 °C heruntergekühlt hatte, fließt wieder mit 26,5 °C – die wärmste in Sachsen.

Das Pawlow Hotel liegt mittendrin: am Kurpark, über der Quelle, in einem Haus, das Silbererz, Kurfürsten, Kumpel und Kalten Krieg überlebt hat. Was Sie hier unter sich haben, ist kein neutraler Boden. Es ist Erzgebirge in seiner ganzen, unordentlichen, widerstandsfähigen Tiefe.

>>Aufgeben war für uns keine Option.

INVESTOR KUMBERGER, FREIE PRESSE ERZGEBIRGE, MAI 2026